Christliches Fasten

Mehr als Abnehm-Akrobatik

Aus dem Evangelium vom 1. Fastensonntag (A):

In jener Zeit wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger.
Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: „Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird.“
Er aber antwortete: „In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt.“ (Mt 4, 1-4)

Fasten - Suppen - Essen 2015Es gibt praktisch keine Religion, in der das Fasten nicht seinen Ort hat. Auch im Christentum nimmt es breiten Raum ein. Die Kirche leistet sich in ihrer Liturgie eine vierzigtägige Bußzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt, einem strengen Fast- und Abstinenztag. Deren Höhepunkt ist der Karfreitag. Auch dies ein Tag, an dem die Christenheit von Anfang an gefastet hat.

Allerdings: Zurzeit wird den Religionen und auch dem Christentum das Fasten entrissen. Im gleichen Maß, in dem in den reichen Industrieländern wahllos und gierig gegessen wird wachsen Zivilisationskrankheiten wie Gicht, Diabetes und Bluthochdruck. In demselben Maß verbreitet sich in genau den gleichen Ländern eine ängstlich auf richtige Ernährung fixierte Lebensführung. Zahllos sind die Sanatorien, in denen man für teures Geld hungern darf; zahllos die Schönheitsfarmen in denen man unter strengste Diät gestellt wird; mächtig die Wellness-Welle, die immer weitere Teile der Bevölkerung erfasst und eine der größten Wachstumsbranchen hervorbringt: die Gesundheitsindustrie.

Die große Vision ist für viele junge Frauen und Männer die absolute Schlankheit, eine lebende Barbie-Puppe sein zu wollen. Entsprechend wird gehungert und gefastet. Der vollkommene Mensch der Zukunft isst mittags nur einen Salat mit Soja-Sauce, wirft sich seine täglichen Vitaminpillen ein, geht anschließend ins Fitness-Studio und hat einen Waschbrettbauch.

Hat da christliches Fasten überhaupt noch Raum? Es hängt alles davon ab, wie es in Zukunft verstanden und gedeutet wird. Es muß wieder deutlich werden, was schon immer das Spezifische des christlichen (übrigens auch des jüdischen) Fastens war: Es war Teil der Umkehr nicht nur der Seele, sondern auch des Leibes. Das heißt aber der Hinordnung aller Lebensumstände auf die Sache Gottes.

Der eigentliche Fasttag der Kirche war schon immer der Karfreitag. Das Karfreitags-Fasten meint aber einschneidende Erinnerung an den Tod Jesu, bedeutet Vergegenwärtigung seines Sterbens. Es bedeutet sterben und auferstehen mit Christus – sterben den eigenen Göttern und auferstehen zu einem neuen Miteinander der christlichen Gemeinde.

Deshalb waren Juden wie Christen allem bloß gesundheitlichen Fasten schon immer weit voraus. Für sie war Heil mehr als Gesundheit. Wenn Fasten (und Einschränkung im Konsumrausch) Teil einer Umkehrbewegung der Kirche zu ihrer eigentlichen Sendung und Aufgabe wäre, brauchten sich die Christen von der Abnehm-Akrobatik ihrer überfütterten Umwelt nicht faszinieren zu lassen.

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