Einen Tag durch die Augen Benadinas sehen…

© MDB/Rupprecht@kathbild.at

Träge öffne ich meine Augen. Mein erster Blick fällt auf mein Mosquitonetz. Ebenfalls schwerfällig schieben sich Marions Füße ins Bild, und ich höre, wie sie sich vom Stockbett rutschen lässt. Ich realisiere, dass ein neuer Tag angebrochen ist, schlüpfe aus Decke und Netz und werfe mich in Rock und Bluse. Denn in der Tsabango Schule gilt für Frauen Rock/Kleid-Vorschrift. Nach einem englischen Tea and Toast-Breakfast verlassen Magdalena, Marion und ich (natürlich pünktlich) unser Haus und huschen an der Kindermenge vorbei, die sich schon frühmorgens versammelt hat. Trotzdem entgehen wir den Schülern nicht, und so rufen sie uns „Madamu bo!“, oder Ähnliches zu. Vorerst steht aber die Morgenversammlung des Colleges an. Umgeben von Schülern gehe ich den Korridor entlang, um sogleich auf die nächste Menschenmenge zu blicken. „Lasset uns beten. Ich verehre dich, mein Gott …“, tönt es vom Podest her. Nach sechs Monaten in Malawi bin ich jeder Zeile des Morgengebetes mächtig. Um acht Uhr geht’s auf zur Tsabango Grundschule. Mein Weg führt mich zu den 8. Klassen, den Abschlussklassen. Vor dem Klassenraum sitzende Lehrer begrüßen mich herzlich. Kurze Zeit später liegen Hefte mit Mathematikaufgaben auf meinem Schoß und ich freue mich über die durchwegs gute Leistung der Klasse. „Wow, Albert du bist der neue Einstein!“, ist eines meiner Feedbacks. Als ich kurze Zeit später den Aufbau eines Briefs wiederhole, schreien mir die Kinder begeistert ihre Antworten entgegen. Nach einem Witz bricht völliges Gelächter aus, und auch ich kann mich nicht mehr halten. Mit vollem Bauch liege ich gut drei Stunden später auf dem Boden des Kids Corners. Die Karten, Bausteine, Stifte und Papiere sind ausgeteilt und ich bemühe mich, mich neben den großen Abmalkünsten der Kinder zu beweisen. Zumindest Princess und Chrissi lächeln mich bewundernd an. Im Büro treffe ich auf Yamikani, der mich fröhlich an der Hand nimmt und mir stolz seine Schreibübungen zeigt. Seit ich ihn kenne steht er im festen Glauben, ich beherrsche jedes Wort auf Chichewa und erzählt mir lange, ausführliche Geschichten. Bei der abendlichen Rede legt die kleine Princess ihren Kopf auf meinen Schoß und hält meine Hand. Liebevoll nennt sie mich Benadina. Ich denke, sie kennt die Hunderasse nicht.

Wer Bernadette Thurs Erlebnisse in Malawi weiter verfolgen möchte, kann dies gerne über ihren Blog tun:

www.berniaufneuenwegen.jimdo.com

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s